Verbandsherbstzuchtprüfung

Sassenberg (dor). Samstagmorgen, acht Uhr in Milte: Während sich der Frühnebel noch von den Feldern hebt, manche Nachteulen sich im Bette herumdrehen und ihren schönsten Träumen nachhängen, haben sich schon diverse Jäger mit ihren Hunden auf den Weg in die Hörste in Milte gemacht. Hier werden sie von Willi Geissmann, Obmann für Hundewesen in der Kreisjägerschaft Warendorf, in der guten Schankstube empfangen. Mit dabei haben die Waidmänner und –frauen ihre Hunde und die dazugehörigen Abstammungspapiere und Impfausweise – die Herbstzuchtprüfung steht schließlich auf dem Plan.

2016 hzp 3598

Der kleine Münsterländer Cora II von der Berkelwiese, der von Herrchen Reinhard Töcker geführt wurde, musste sich bei der Herbstzuchtprüfung ganz schön in Geduld üben.

Wie in der Schule ist die Stimmung am Prüfungstag trotz der frühen Stunde aufgekratzt, Mensch und Tier sind gleichermaßen angespannt. „Die Aufregung überträgt sich vom Menschen auf den Hund“, weiß Gabi Mackenberg. Die Zweite Vorsitzende der Kreisjägerschaft ist an diesem Samstag nicht nur aus Repräsentationsgründen vor Ort, sondern auch sie nimmt mit ihrem kleinen Münsterländer, der auf den Namen Nelly hört, an der Herbstzuchtprüfung teil. Wie Willi Geissmann berichtet, werden dabei die Entwicklung der natürlichen Anlagen des Hundes sowie seine Eignung für den vielseitigen Jagdgebrauch festgestellt. Die zehn Hunde, die zur HZP am Samstag gemeldet worden sind, sind alle an die eineinhalb Jahre alt. Viele von ihnen, so zum Beispiel Hündin Cora, die von Reinhard Töcker geführt wird, haben zuvor an dem Hundeführerlehrgang der Kreisjägerschaft teilgenommen. Wie Töcker sagt, kann er eine Teilnahme an solch einem Kurs nur empfehlen. „Es ist sehr wichtig für das Sozialverhalten des Hundes, dass er auf andere Hunde und Menschen trifft“, nennt er einen Vorteil der sechs Monate dauernden Ausbildung. Ein weiterer Pluspunkt seien die Revierbesuche, bei denen der Hund unterschiedliche Geländestrukturen kennen- und damit umzugehen lernt. „Man könnte den Hund natürlich auch zuhause ausbilden, aber besser vorbereitet für die Prüfung wird er durch die Ausbildung der KJS“, zeigt sich Töcker überzeugt. Schließlich müsse der Hund sich in der Prüfung auch auf unbekanntem Terrain bewegen und beweisen. Töckers Hund Cora ist an diesem Morgen sehr aufgeregt. Wild hechelnd wartet er auf seinen Einsatz. Dieser lässt aber auf sich warten. Keine leichte Situation für den Hund. „Die Tiere wollen arbeiten, wollen zeigen, was sie können“, weiß Töcker, der mit Gabi Mackenberg und Pia Reinersmann in einem Sassenberger Revier das Vorstehen zeigen soll.


Die Jäger und Jägerinnen scheuen das frühe Aufstehen nicht. Schon morgens um acht Uhr hatten sie sich bei Geissmanns in Milte zur Einteilung der Gruppen eingefunden.

Darunter versteht man das Anzeigen von Wild. In so einem Falle verändert sich die Haltung des Hundes schlagartig. Der Hund darf nicht einfach loslaufen und das Wild aufspüren. Durch seine Haltung - die Rute ist nach hinten gestreckt, der Hund verharrt in der Bewegung, wirkt wie eingefroren – signalisiert er dem Jäger, dass sich ein Stück Wild in der Nähe befindet. An diesem Samstag gestaltet sich diese Prüfungsaufgabe jedoch als schwierig. Werner Schulte, der bereits 25 Jahre als Prüfungsrichter bei Hundeprüfungen im Dienst ist und diesen am Samstag gemeinsam mit Volker Putzer und Johannes Müller versieht, weiß, warum: Zum einen mache sich der Rückgang des Niederwilds deutlich bemerkbar, erschwerend dazu finde derzeit die Maisernte statt. „Viele Fasane suchen sich neue Plätze“, weiß Schulte. Neben dem Vorstehen mussten sich die Hunde bei der Prüfung am Samstag bei der Haarwild- und Federwildschleppe beweisen. Hierbei müssen die Hunde einer Spur eines toten Kaninchens bzw. einer toten Ente folgen und diese zurück zum Jäger bringen. Wie Schulte berichtet, war am Vortag bereits die Wasserarbeit der Hunde und ihre Schussfestigkeit bewertet worden. Zudem galt es, eine tote Ente im Schilf aufzuspüren und diese zu apportieren. Dabei wurde auch begutachtet, ob der Hund wasserfreudig ist, ob er über einen stark ausgeprägten Findewillen und eine gute Nase verfügt und natürlich, ob er auf sein Herrchen hört. Schließlich gehört der Gehorsam mit zu den wichtigsten Eigenschaften eines guten Jagdhundes. „Der Jäger muss sich auf seinen Hund verlassen können“, sagt Willy Geissmann, der selbst schon zahlreiche Hunde erfolgreich ausgebildet hat. Wie erfolgreich nun die einzelnen Hunde bei ihren Aufgaben abgeschlossen haben, das erfuhren die Teilnehmer bei der Siegerehrung am Nachmittag. Hier gratulierten Geissmann und die Versammlung Thorben Krimpmann und seinem Deutsch-Drahthaar namens Matze II vom Birkengrund mit 189 Punkten zum ersten Platz. Den zweiten Rang belegte Philipp Nahrmann mit seinem Kleinen Münsterländer Leo vom Vechtetal, der 185 Punkte erzielte. Guter Dritter wurde der Deutsch Kurzhaar „Bello von den Wellen“, der von Dirk Breul geführt wurde.