Jagdhornbläserprüfung

Sassenberg (dor). Montagabend in der Gaststätte alter Westfale in Freckenhorst. Der elfjährige Julius Schnieder sitzt neben seinem Vater Klaus und seinem Kumpel Michael Röhr, der wiederum seinen Vater Wilfried an seiner Seite hat. Mit am Tisch steht auch Manfred Grittner. Und der ist mindestens ebenso nervös wie die beiden Buben. Schließlich steht die Jagdhornbläserprüfung in der Klasse C an. Vierzehn Signale müssen die Nachwuchs-Jagdhornbläser auf ihren Fürst Pless-Hörnern spielen können, fünf davon werden geprüft.

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Mit diesem Bläserhutabzeichen und einer Urkunde wurden die Teilnehmer, die erfolgreich die C-Prüfung im Jagdhornblasen bestanden haben, für ihre Leistung belohnt.

Julius Schnieder ist der erste, der von den Juroren, Günther Lunemann, Obmann für das jagdliche Brauchtum in der Kreisjägerschaft Warendorf, seinem Stellvertreter Thomas Dreimann sowie Reinhard Elsbecker, dem Obmann für jagdliches Brauchtum der KJS-Coesfeld, in den großen Saal gerufen wird. Hier steht der Junge ganz allein vor den drei gestandenen Waidmännern, die ihn sodann auffordern, das Jagdsignal „Aufmunterung zum Treiben“ zu blasen. Es folgen „Aufbruch zur Jagd sowie die Totsignale „Reh tot“, „Kaninchen tot“ und „Fuchs tot“.


Zwar aufgeregt, aber souverän meistert die elfjährige Lena Stauvermann ihre Bläserprüfung.

Letzteres stellt mit der schnellen Abfolge von hohen und tiefen Tönen mit das schwerste Signal dar. Doch für den Jungen ist das kein Problem. „Sehr schön“, lautet das Urteil der Juroren. Diese sind ganz überrascht, als sie erfahren, dass der Bub in Sachen Jagdhornblasen einen Crashkurs hingelegt hat. In nur sieben Monaten hat sie ihr Ausbilder zur Prüfungsreife gebracht. „Zweimal die Woche je eine Stunde haben die Jungen mit Manfred Grittner trainiert und täglich 15 Minuten zu Hause“, berichtet Vater Klaus Schnieder. Er und Wilfried Röhr, die beide ebenfalls Jagdhorn spielen, freuen sich, dass ihre Söhne die Tradition des jagdlichen Brauchtums fortführen. „Lieber früh anfangen als zu spät, wenn sie erst eine Freundin haben, wollen sie vielleicht gar nicht mehr“, lacht Wilfried Röhr. Wann aber ist nun der richtige Zeitpunkt? Markus Schräder, der Ausbilder des 60-köpfigen Bläsercorps Freckenhorst/Warendorf//Hoetmar nennt als passendes Einstiegsalter zehn Jahre. Er sagt, dass der Zahnwechsel durch und gefestigt sein sollte. Schröder schickt seinen Bläsernachwuchs nach ca. einem Jahr zur Prüfung. „Wie fit der Einzelne ist, hängt natürlich auch vom Üben ab“, weiß er aus Erfahrung. Seine Alumna, die elfjährige Lena Stauvermann, hat jedenfalls fleißig geübt. Sie bläst die geforderten Jagdsignale ebenfalls gekonnt und sicher vor und darf sich am Ende wie fünf weitere Teilnehmer – über eine bestandene Prüfung nebst Urkunde und Bläserhutabzeichen in Bronze freuen.


Julius Schnieder, Michael Röhr, Klaus Schnieder, Manfred Grittner und Wilfried Röhr fiebern der Jagdhornprüfung der Klasse C entgegen.

„Wir verfolgen hier keinen künstlerischen Anspruch, so Gunter Lunemann zu den Anforderungen. „Die Jagdsignale müssen nicht wie bei Karajan ausfallen, sondern vor allen Dingen deutlich erkennbar sein.“ Schließlich üben die Jagdsignale auf den Jagden nach wie vor eine wichtige Funktion aus: Sie sind ein Steuerungs-, Sicherheits- und Kommunikationselement.


Die Juroren der Bläserprüfung, hier (v. li.) Thomas Dreimann, in der Kreisjägerschaft Warendorf stellvertretender Obmann für das jagdliche Brauchtum, KJS-Obmann Gütnther Lunemann sowie Reinhard Elsbecker, Obmann des jagdlichen Brauchtums in der KJS-Coesfeld, freuten sich über den gut vorbereiteten Nachwuchs.

Durch die Signale werden den Jägern und Treibern wichtige Informationen zum Ablauf der Jagd gegeben. Die Totsignale werden beispielsweise nach der Jagd beim Totverblasen an der Jagdstrecke gespielt und gelten dem Wild als letzte Ehrerweisung durch die Jäger. Und Treiber, die im Wald unterwegs sind, hören anhand der Jagdleitsignale, ob sie zurückkehren oder sich gar in einem Kessel formieren sollen. Während die elementaren Jagdsignale Bestandteil der C-Prüfung sind, bei der die Prüflinge einzeln vorspielen müssen, werden in der mittleren, der B-Klasse, in der Leistungsklasse A und G – in letzterer kommen auch die Parforce-Hörner zum Einsatz – stets die gesamte Bläsergruppe bewertet. Mit höherer Klasse steigt dabei die Anzahl der Signale, die die Bläser beherrschen müssen.