zeitgemäße Bejagung von Schwarzwild

Kreis Warendorf. Wildschweine sind sehr anpassungsfähig, sehr fruchtbar und sehr intelligent. Sie zu jagen gestaltet sich als ausgesprochen schwierig. Kein Wunder also, dass das Schwarzwildaufkommen in Deutschland seit Jahren ansteigt. ‚Das gilt auch für den Kreis Warendorf. „Es gibt kaum einen Hegering, in dem kein Schwarzwild vorkommt, die meisten Wildschweine allerdings sind in Beckum, Rinkerode, Ahlen und Ostbevern zuhause“, weiß Peter Markett, Landwirt und Berufsjäger.

2016 seminar 5984

Dr. Hermann Hallermann, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Warendorf (li.) und der Schwarzwildbeauftragte der KJS- Dietrich Schedensack, freuten sich, mit Peter Markett (mi.), einen fachkundigen Redner zum Thema „zeitgemäße Bejagung und Bewirtschaftung des Schwarzwildes“, verpflichtet zu haben.

Der sowohl im Vorstand des Landes- und Bundesverbands der Berufsjäger agierende Markett, der zudem das Projekt „beratender Berufsjäger NRW“ betreut, war auf Einladung von Dietrich Schedensack, Schwarzwildbeauftragter der Kreisjägerschaft Warerndorf, jüngst zu Gast auf Harkotten, um hier interessierten Jägern und Landwirten Hilfestellung und Tipps zur zeitgemäßen Bejagung und Bewirtschaftung des Schwarzwildes zu geben. Obwohl Wildschweine laut Dr. Hermann Hallermann, dem Vorsitzenden der KJS-Warendorf, „eine tolle und faszinierende Wildart“ darstellten, seien sie auf der anderen Seite schlecht für das Portemonnaie. Denn Wildschweine richten in landwirtschaftlichen Kulturen, wie auf frisch bestellten Maisäckern oder auf Kartoffel- und Getreidefeldern, zum Teil erhebliche Schäden an.

 

In seinem lebendigen Vortrag machte Peter Markett die Frischlinge, die jünger sind als zwölf Monate, als Motor der Population aus, denn sie seien in erster Linie für die starke Vermehrung verantwortlich. Aus diesem Wissen heraus seien die jagdlichen Handlungsweisen abzuleiten. Es gelte hier, Vollgas zu geben und „Frischlinge bei jeder sich bietenden Gelegenheit zu erlegen“. Wie Markett sagte, sei das keine jagdliche Freude, sondern eine pure Notwendigkeit. „Erst wenn 75 Prozent der Frischlinge erlegt sind, fängt man an, den Bestand zu regulieren“, weiß der Wildmeister. Würden nur 60 Prozent der Frischlinge erlegt werden, stiege der Bestand weiterhin massiv an. Wie die Statistiken des Kreises Warendorfs zeigen, betrage die Schwarzwildstrecke, also die Zahl aller im Kreis erlegten Wildschweine, im Jahresdurchschnitt noch nicht einmal 50 Prozent. Hier sieht Markett noch erheblichen Handlungsbedarf. Als Mittel der Wahl für eine effiziente Bejagungsstrategie nannte der Berufsjäger revierübergreifende Drückjagden. Diese sollten mit allen beteiligten Jägern zuvor durchgesprochen werden. Dabei sollten keine jagdbaren Keiler oder ältere Tiere für die Jagd freigegeben werden. Es sollte einzig und allein Jagd auf Frischlinge bis 50 Kilogramm gemacht werden. Die Jäger sollten darauf achten, keine einzeln ziehenden Stücke zu erlegen, sondern nur eindeutig erkennbare Frischlinge. Auch gelte es, immer die schwächsten Tiere einer Rotte zu schießen. Wie Markett betonte, könne eine revierübergreifende Drückjagd nur dann funktionieren, wenn alle Revierinhaber mitmachten. In jedem Revier sollten Schützen verteilt sein, Treiber- und niedrig laufende Hunde eingesetzt werden. Als Erfolgsbeweis verwies Markett am Ende seines Vortrags auf die beachtlichen Strecken, die auf bereits durchgeführten, revierübergreifenden Drückjagden erzielt wurden. „Wer Veränderung will, findet Wege, wer sie nicht will, findet Gründe“, appellierte der Fachmann an die Jägerschaft, hier gemeinsam an einem Strang zu ziehen und Maßnahmen zu ergreifen, um die Überpopulation des Schwarzwilds zu stoppen.

 

Das Schwarzwild, so der jagdliche Terminus für Wildschweine, gilt neben dem Rehwild als Hauptwildart. Die Strecke in Deutschland beträgt einem Bericht der deutschen Jagdzeitung zufolge, ca. 250.000 Stück. Damit sei Deutschland das schwarzwildreichste Land Europas. Wildschweine sind sehr anpassungsfähig, intelligent und fortpflanzungsfreudig. Sie benötigen keine geschlossenen Wälder, um sich zuhause zu fühlen. In Stadtrandlagen, die Ruhe, Sicherheit und Futter bieten, werden ebenfalls vermehrt Wildschweine gesichtet. Auch wenn diese im Forst als Schädlingsvertilger gelten – sie fressen Mäuse, Larven, Schnecken und fördern mit ihrer Wühltätigkeit die Luftzirkulation und Verjüngung des Waldbodens – richten Wildschweine in der Landwirtschaft, hier insbesondere auf Mais-, Kartoffel- und Getreideäckern erhebliche Schäden an. Das Schwarzwild ernährt sich jedoch nicht nur von pflanzlicher, sondern – zur Kategorie der Allesfresser gehörend - auch von tierischer Nahrung, inklusive Aas. Dementsprechend muss erlegtes Schwarzwild vor dem Verzehr auf Trichinenbefall untersucht werden.