Fangjagdlehrgang

Sassenberg (dor). Wer in NRW auf Fangjagd gehen will, das heißt mit Fallen Fuchs, Marder oder Waschbär fangen will, der muss seit Einführung des ökologischen Jagdgesetzes zunächst einen vom NRW-Umweltministerium anerkannten Fangjagdlehrgang besuchen. Herbert Winkelströter, der viele Jahre lang als Obmann für Naturschutz in der Kreisjägerschaft Warendorf tätig war, führt zurzeit solche Fangjagdlehrgänge im Kreisgebiet durch. Am Sonntag war er bei den Jägerinnen der Kreisjägerschaft zu Gast in Freckenhorst.

2016 - Fangjagdlehrgang 1394

Ursula Feldmann, Hildegard Nienaber, Jana Diekrup, Gisela Selhorst, Pia Reinersmann lassen sich von Seminarleiter Herbert Winkelströter die Kofferfalle und ihren Mechanismus erklären. 

Die Obfrau der Jägerinnen, Claudia Böckenhüser, hatte den Fangjagdlehrgang speziell für die Jägerinnen angeboten. "Innerhalb kürzester Zeit waren die 15 Plätze besetzt“, freut sich Böckenhüser über das große Interesse der Frauen an der Fangjagd und den Neuerungen, die das neue Jagdgesetz auch in diesem Bereich mit sich gebracht hat. Das Tagesseminar umfasst neben der Theorie, in der die rechtlichen Grundlagen zur Fangjagd sowie  Inhalte des Tier- und Artenschutzes erläutert werden, auch einen praktischen Teil. „Hier erkläre ich den Seminarteilnehmern die unterschiedlichen Fallen für den Lebendfang, ihre Bauweisen und zeige, wie sie funktionieren“, so Winkelströter. Zur Veranschaulichung hatte er den Damen die Wieselwippbrettfalle, die Kofferfalle, die Drahtkastenfalle und die Betonrohrfalle mitgebracht. Diese Lebendfallen dienen allesamt dem Fang der sogenannten Prädatoren, darunter versteht der Jäger die Fressfeinde des Niederwilds, wie etwa Fuchs, Marder, Waschbär und Wiesel. Die Fallen werden dabei nach persönlicher Vorliebe und Geldbeutel eingesetzt. „Je größer die Falle, desto aufwendiger ist sie einzubauen und je teurer ist sie auch, weiß Winkelströter. Sein persönlicher Favorit ist die Drahtkastenfalle. „Die ist aus Eisen, super stabil und geht nicht kaputt“, erläutert er die Vorteile dieser Falle. Auch wenn die Fallen Lebendfallen heißen, erwartet die Tiere am Ende der Tod in Form eines gezielten Fangschusses.


Die Wieselwippbrettfalle wird gewichtsmäßig genau austariert, damit Mauswiesel oder andere Tiere, die dem Artenschutz entsprechen, nicht gefangen werden. Eine derartige Falle inspizieren hier (v. li.) Angelika Rüter, Cathrin Böckenhüser, Silvia Heseker, Claudia Böckenhüser und Annegret Fronemann.

Laien und Tierschützer setzen Lebendfallen  oft mit Tierquälerei gleich. Dabei werden die Jäger mittels eines elektronischen Fernmeldesystems per Handy sofort unterrichtet, wenn ein Tier in die Falle gegangen ist. „So wird sichergestellt, dass das Tier nicht lange in der Falle verweilen muss“, erklärt Pia Reinersmann. Die gestandene Jägerin jagt schon seit vielen Jahren mit Kastenlebendfallen und zwar  überwiegend Fuchs und Waschbären. Wie für andere Jäger gehört die Fangjagd für sie zur Jagdausübung dazu, ist ein Teil der Kultur. „Der ländliche Raum braucht sich für das, was er tut, nicht zu verstecken, wir stehen dazu“, argumentiert sie. Sie findet es problematisch, dass die Politik für den ländlichen Raum in Großstädten gemacht wird, und das zumeist von Politikern, die keinen Bezug zum Leben auf dem Land haben. „Unsere Wildtiere sind das Niederwild, mit Fasan, Rebhuhn und Brachvogel. „Diese Tiere müssen wir vor den Prädatoren, vor ihren  Fressfeinden schützen, damit die Zahl des Niederwilds nicht noch weiter zurückgeht, nennt sie einen Grund, warum sie auf Fuchsjagd geht. Den Fangjagdlehrgang findet sie sehr wertvoll. „Wir werden hier auf den neuesten Stand der Gesetzeslage gebracht und können alle unsicheren Punkte und Fragen klären“, lobt Reinersmann. Viele ihrer Jägerskolleginnen, die bislang nicht mit Fallen gejagt haben, schätzen es, ihr brachliegendes Wissen über die Fangjagd, das sie während ihres Jägerkurses gewonnen haben, in dem Seminar aufzufrischen. „Jede Form der Fort- und Weiterbildung, sei es im Schießwesen oder bei der Fangjagd ist nicht nur lobenswert, sondern auch notwendig“, sagt Martin Sievers, Geschäftsführer der Kreisjägerschaft. „Nur so können die Jäger ihre Aufgabe, tierschutzgerecht und gesetzestreu  für einen gesunden und der Natur angepassten Wildbestand zu sorgen, auch erfüllen.“


Nach der Praxis wurden die Jägerinnen im theoretischen Teil von Herbert Winkelströter u. a. über die rechtlichen Grundlagen der Fangjagd aufgeklärt.

Hintergrund

Seit Jahrhundert gehört die Fallenjagd zur Jagdausübung dazu. Der Jäger unterscheidet hier zwischen Tot- und Lebendfallen. Während Totschlagfallen, die in NRW außer für Mäuse und Ratten verboten sind, das Wild sofort töten, fangen die Lebendfallen unversehrt. Den Jägern stehen hier zahlreiche Fallenarten und –größen zur Verfügung. Die Fallen dienen dazu, die „Feinde“ des Niederwildes, welches in den letzten Jahren massiv zurückgegangen ist, effektiv zu reduzieren. So soll der Bestand der gefährdeten Arten, wie zum Beispiel Fasan, Rebhuhn, Kiebitz und Brachvogel, nachhaltig gefördert werden.