Wildpflanzen für die Bioenergieerzeugung - eine sinnvolle Ergänzung zum Maisanbau

„Energie durch Wildpflanzen“ lautete das Thema der Flächenbegehung, zu der Herbert Winkelströter, Obmann für Naturschutz in der Kreisjägerschaft Warendorf, alle interessierten Jäger nach Oelde-Sünninghausen geladen hatte. Hier haben sich einige mutige Landwirte entschlossen, einen freifinanzierten, auf fünf Jahre angelegten Feldversuch, übrigens den ersten und einzigen seiner Art im Kreis Warendorf und in NRW, durchzuführen.

 

Energie durch Wildpflanzen 6198

Setzen sich federführend für den Anbau von Wildpflanzen für die Biogaserzeugung ein: (v. l.) Cornelius Wessel, Markus Degener, Werner Kuhn und Jochen Zeller.

Angeschoben hat das Projekt Diplom Kaufmann Markus Degener, Jagdwart des Wernigeroder Jagdkorporationen Senioren-Convent. Wie dieser erläuterte, soll mit Hilfe des Wildblumenanbaus die Biodiversität wieder belebt, Landschaften und Artenvielfalt erhalten und nicht zuletzt genügend Masse für die Biogaserzeugung erzielt werden. Die Stimmung im Projektteam ist gut. Hier arbeiten Bauern, Jäger, Imker, Verbände wie WSV und VJE sowie Firmen Agravis, Claas als Erntespezialist Hand in Hand. „Bisher sind wir sehr zufrieden. Gerade im Bereich der Insektenbestände haben wir schon ein super Ergebnis erzielt“, berichtete Degener.


Stehen erst am Anfang des Projekts und doch hat die Anzahl der Bodeninsekten auf den Flächen mit Wildpflanzen deutlich zugenommen. Das demonstriert hier gerade Alexander Feemers (li.) vom Stifterverband für Jagdwissenschaften Herbert Winkelströter, dem Obmann für Naturschutz in der Kreisjägerschaft Warendorf.

Auf dem Feld nahm Werner Kuhn, Berater des Netzwerks Lebensraum/Feldflur den Faden auf. „Landwirte können nicht nur Nahrungsmittel, sondern auch Landschaften produzieren“, sagte er inmitten einer 1,2 Hektar großen Fläche mit blühenden Wildblumen. Wie er erläuterte sei hier im Frühjahr eine aus 25 verschiedenen Wildblumenarten bestehende Saatgutmischung auf dem Feld aufgebracht worden. Trotz starker Niederschläge nach der Aussaat stehen hier nun u. a. Steinklee, Rainfarn, Sonnenblume, Flockenblume, Malven, Eibisch, Beifuß und Wegerich. Die widerstandsfähigen Wildblumen und –pflanzen, denen auch schwere Erntemaschinen nicht viel anhaben können, bieten nicht nur dem Niederwild Schutz. Sie liefern auch Nahrung für Insekten, die wiederum Vögel, Fasane, Rebhühner und Fledermäuse anlockten. Alexander Feemers vom Stifterverband für Jagdwissenschaften, führte anhand zweier mitgebrachter Proben den Anwesenden den Beweis für die Zunahme der Insekten unmittelbar vor Augen. Auch wenn die ökologischen Effekte sehr viel versprechend seien, machte Werner Kuhn doch eines unmissverständlich klar: „Wir wollen und können den Mais nicht ersetzen, aber wir können ihn ergänzen.“ Zwar werde der ökologische Mehrwert noch nicht bezahlt, aber er sei es wert, zeigte sich Kuhn überzeugt. Auch Markus Degener, Cornelius Wessel, Heinz-Josef Quibeldey, die ihrerseits Flächen für den Feldversuch zur Verfügung stellen, sind von den bisherigen Ergebnissen beeindruckt. Eine Bilanz aber, was die bisherigen Flächen tatsächlich an Erträgen bringen werden, könne erst im Projektverlauf gezogen werden, sind sich die Projektteilnehmer einig. „Wir sind auf einem guten Weg“, konstatiert Degener, der auf weitere engagierte Nachahmer für die Energieerzeugung durch Wildpflanzen hofft.