Bläserprüfung

Sassenberg (dor). „So schnell waren wir noch nie“. Ungläubig schaut Günther Lunemann, Obmann für Jagdliches Brauchtum in der KJS-Warendorf, am Dienstagabend auf seine Armbanduhr. In nur 45 Minuten haben er und seine Juroren-Kollegen, sein Stellvertreter Thomas Dreimann sowie Reinhard Elsbecker von der KJS-Coesfeld elf Jagdhornbläser in der Klasse C geprüft.

Bläserhutabzeichen 2017 1

Allesamt bestanden: neun Füchtorfer Jagdhornbläser und eine Bläserin aus Ahlen freuten sich am Ende über das Bläserhutabzeichen in Bronze.

Die Chefin ging mit gutem Beispiel voran: Susanne Finnemeier, Leiterin der vor drei Jahren ins Leben gerufenen Füchtorfer Jagdhornbläsergruppe, ist die Erste, die vor die dreiköpfige Jury tritt. Auf einem Zettel, den sie vorher gezogen hat, stehen sechs Signale, die es vorzutragen gilt. „Reh tot“, „Kaninchen tot“, „Aufmunterung zum Treiben“ , „Aufbruch zur Jagd“ und das Signal „Fuchs tot“, das aufgrund der schnellen Abfolge von hohen und tiefen Tönen als schwer zu blasen gilt, stellen für die Vollblutmusikerin, die von Kindesbeinen an dem Füchtorfer Musikverein angehört, kein Problem dar. „Ein vernünftiger, kerniger Ton, damit kann man die Signale weit genug hören, ganz hervorragend“, lobt Günther Lunemann ihren Vortrag. Wie er erklärt, komme es bei den Signalen nicht unbedingt auf die Sauberkeit oder wie in späteren Wettbewerben auf das notengerechte Spiel, sondern vielmehr auf die Erkennbarkeit an. „Da Signale ein wichtiges Steuerungs-, Sicherheits- und Kommunikationselement der Jagd darstellen, müssen die Hörner kräftig klingen, damit Jäger und Treiber die Signale auch von weither hören“.


Susanne Finnemeier, Leiterin der Füchtorfer Jagdhornbläsergruppe, hatte ihre Schützlinge gut auf die Prüfung vorbereitet. Um mit gutem Beispiel voranzugehen, trat sie mit ihrem Fürst Pless Horn als Erste vor die Jury.

Finnemeier selbst sieht es als klaren Vorteil an, wenn man zuvor schon mal ein Blasinstrument, wie beispielsweise die Trompete gespielt hat. „Dann ist das mit der Bildung des Tons viel einfacher. Man weiß, wie man die Lippen stellen muss, damit ein vernünftiger Ton herauskommt“, so Finnemeier. Die junge Frau ist, wie einige andere der Jagdhorngruppe Füchtorf keine Jägerin. Dennoch findet sie den Sinn und Zweck der Jagd – wie etwa das Gleichgewicht der Wildtiere zu erhalten - wichtig und gut. Besonders aber fasziniert sie die Brauchtumspflege, die althergebrachten Rituale, wie zum Beispiel das Verblasen der Strecke. Erst jüngst habe die Jagdhornbläsergruppe Füchtorf, die dortige Fuchsjagd musikalisch begleitet. Das fanden sowohl die Jagdhornbläser als auch die Teilnehmer sehr beeindruckend, berichtet Finnemeier. Auf die Prüfung hätte sich ihre Gruppe intensiv vorbereitet. „Wir haben alle Signalblöcke durchgeübt, auch den Einzelvortrag, damit keine Nervosität mehr aufkommt“, erklärt sie. Ihr Plan ging auf. Die sechs Signale, die zuvor aus dreizehn, ausgelost worden waren, erklangen wie gewünscht. Schnell hakten Lunemann, Dreimann und Elsbecker die Namen der Prüflinge und die Signale ab.


Die Jury bestehend aus Reinhard Elsbecker, Obmann für Brauchtumspflege in der KJS Coesfeld, Günther Lunemann, Obmann der KJS-Warendorf und sein Stellvertreter Thomas Dreimann freuten sich über die gut vorbereiteten Prüflinge bei der jüngsten Bläserprüfung.

Mit unter den Prüflingen war auch Anne Menger. Die Jägerin aus Ahlen  wurde ein Jahr lang von Dr. Walter Mentrup unterrichtet. Der 85-Jährige, der bereits seit 1954 Bläsernachwuchs ausbildet, hatte es sich nicht nehmen lassen, seine Adlata mit nach Füchtorf – die Prüfung fand auf dem Geflügelhof Möllenbeck statt -  zu begleiten und die Gruppe mit dem einen oder anderen Schwank zu unterhalten. „Die Bläser halten mich jung“, lachte der Senior, der sich am Ende über das gute Abschneiden Mengers freute. Lachende Gesichter gab es jedoch auch bei den Füchtorfer Prüflingen, die für ihr Können allesamt mit dem  Bläserhutabzeichen ausgezeichnet wurden.


Thomas Dreimann, stellvertretender Obmann für Jagdliches Brauchtum in der KJS-Warendorf und Obmann Günther Lunemann gratulieren hier Ausbilder Dr. Walter Mentrup vom Hegering Ahlen und seiner Schülerin Anne Menger zur bestandenen Bläserprüfung.