Unter Jägerinnen - Wie Frauen jagen

Die Zeiten, in denen die Jagd eine Männerdomäne war, sind vorbei. Immer mehr Frauen mischen sich unter die Grünröcke, so waren 2012 laut dem Deutschen Jagdschutz-Verband rund 20 Prozent der Jagdscheinanwärter weiblich. Doch warum stellen sich Frauen der Jägerprüfung und entdecken die bisher männlich dominierte Passion für sich?

 

2014 wie frauen jagen

Es ist nicht das Erlegen von Trophäenträgern wie Bock oder Hirsch. Auch der Reiz, in weitentfernte Länder zu reisen und Wild zu bejagen, ist selten. Vielmehr sind es das Interesse an der Natur, die Ruhe und die Arbeit mit dem Hund. Gerade über die Hundearbeit kommen viele Frauen auf die Jagd. Das Apportieren, Nachsuchen oder Stöbern mit dem Vierbeiner erfüllt das weibliche Herz mit Stolz und Freude. Durch die Hundeprüfungen wird oft die Neugier nach mehr Wissen geweckt. Das Kennenlernen der Natur und ihrer tierischen Bewohner ist ein entscheidender Grund für den langen Weg bis hin zum Jagdschein.

 

Das zu erlernende Fachwissen ist Jägerinnen genauso wichtig wie der sichere und gute Umgang mit der Waffe. Die vielfältigen Bereiche, die von Tierkunde über Gesetze bis hin zum jagdlichen Brauchtum gehen, fordern diszipliniertes Lernen und die praktische Verknüpfung – und das ein Leben lang. Drei Stunden auf dem Hochsitz zu verbringen, ist wie Urlaub, die Sorgen und der Stress des Alltags sind schnell belanglos, gerade in der heute schnelllebigen Zeit ist diese Auszeit Gold wert.

 

Jägerinnen sind selbstständig: Im Bereich der Hege und Pflege des Reviers stehen die Frauen den Männern in nichts nach. Egal ob beim Hochsitzbau, dem Anpflanzen von Hecken, der Wildverwertung oder der Kulturpflege, die Jägerinnen scheuen sich vor keiner noch so anstrengenden Aufgabe. Natur erleben bedeutet eben auch, sie zu schützen, zu pflegen und zu erhalten und das geht Hand in Hand mit Dreck, Schweiß und harter Arbeit.

 

Doch warum greifen Frauen zur Waffe?

 

Das Bewusstsein der Menschen gegenüber ihren Lebensmitteln hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Daher ist die Gewinnung von bestem Fleisch einer der Hauptgründe, warum auch Frauen Wild erlegen. Das Schießen eines Rehs geschieht bedacht und überlegt. Die Freude über die schnelle und präzise Erlegung und die Gewinnung des natürlichsten Fleischproduktes ist groß. Jagende Frauen legen sehr wenig Wert auf Trophäen, viele sprechen sich sogar sehr deutlich dagegen aus. Jedes erlegte Wild erzählt eine Geschichte und dazu benötigt es kein Geweih oder Gehörn auf dem Kopf. Das Zubereiten und Verarbeiten des erlegten Tieres verlangt ebenfalls handwerkliches Geschick und schließt den Kreis des Lebens. Durch den langen Weg vom in Freiheit lebenden Reh über die Erlegung und Verarbeitung bis hin zum Kochen wird dem Menschen, egal ob Jägerin oder Jäger, wieder bewusst, was alles passieren muss, damit Menschen Fleisch auf dem Teller haben.

 

„Ich liebe die Nähe zur Natur und die dort stattfindenden täglichen kleinen Wunder, an denen viele einfach vorbeilaufen, ohne sie zu bemerken,“ so Michaela Buchholz. „Natürlich bereitet es mir auch ein gutes Gefühl zu wissen, was meine Familie und ich essen, und dass mich kaum ein Lebensmittelskandal beeindrucken kann, da es bei uns zum größten Teil selbst erlegtes Wild gibt, welches ich unbehandelt der Natur entnehmen darf,“ so die Jägerin über ihre weibliche Jagdmotivation.

 

Weidmannsheil

Claudia Böckenhüser