Schießübung der Jungjäger

Sassenberg (dor). Den Jagdschein gibt es nicht umsonst. Die Teilnehmer des Jungjägerlehrgangs investieren viel Zeit und Geld, um ihr Ziel, Jäger zu werden, zu erreichen.  Allein an zwölf Samstagen hintereinander üben sie auf dem Schießstand der Kreisjägerschaft am Butterpatt das Schießen. Im Anschluss vertiefen sie im Grünen Zentrum ihre Kenntnisse in der richtigen Waffenhandhabung.

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Wenn es doch so einfach wäre. Der vor ihm befindliche Rehbock wird gleich 100 Meter nach hinten gefahren. Dennoch gilt es, den Zehnerring, Platzhalter für das Herz des Tieres, zu treffen. Ausbilderin Michaela Scholle drückt die Daumen.

Robert Beck ist bereit. Er hat das Gewehr angelegt und wartet auf die Tontaube, die gleich von hinten über seinen Kopf hinweg fliegt. Blitzschnell muss er reagieren, zielen und den Abzug drücken. Es knallt. Die Tontaube, eine orangefarbene flache Scheibe, zerbricht in der Luft in zwei Teile. Ein Volltreffer. Robert Beck, Teilnehmer des jüngsten Jungjägerlehrgangs der Kreisjägerschaft Warendorf, ist zufrieden. So wie die anderen seiner 44 Lehrgangskollegen und –kolleginnen auch. „Man wird von Mal zu Mal besser“, bestätigen die Jägeranwärterinnen Nicole Eickhoff und Kerstin Witte. Anders als viele ihrer männlichen Kollegen haben sie bis zum Lehrgangsbeginn noch keine Waffe in der Hand gehabt. Berührungsängste hatten sie dennoch nicht. „Das hier ist Praxis und macht Spaß“, sind sie sich einig. Und Verena Krieg, die über ihren Lebensgefährten an die Jagd herangeführt wurde, freut sich auch schon auf den Tag, an dem sie nicht mehr nur daneben sitzen muss, sondern das Gewehr selbst in die Hand nehmen darf.

 

Jungjägeranwärter Robert Beck hier beim Tontaubenschießen. Schießwart Franz-Josef Möllmann gibt Hilfestellung.

 

Die Teilnehmer des laufenden Jungjägerkurses  sind mit ihrer Gruppe zum achten Mal auf dem Schießstand am Butterpatt. Hier gehört das Tontaubenschießen, bei dem ihnen Schießwart Franz-Josef Möllmann mit Rat und Tat beiseite steht, ebenso zum Übungsplan wie das Schießen auf den laufenden Keiler, ein auf Pappe gezeichnetes Wildschwein, das in 50 Meter Entfernung, angebracht auf einer Rollschiene, von rechts nach links vorbeizieht. Im Gegensatz zu dem Skeetstand, wo mit Schrot auf die Tonscheiben geschossen wird,  kommt beim laufenden Keiler wie auch beim Rehbock, der in 100 Meter Entfernung in sitzender Haltung beschossen wird, ein Kugelgewehr, eine Büchse, zum Einsatz. Aus Hörschutzgründen tragen alle Jungjägeranwärter, aber auch die Ausbilder, Michaela Scholle und Benno Schulze-Eckel, Kopfhörer. „Wir versuchen, den Teilnehmern die Nervosität im Hinblick auf die Prüfung zu nehmen, erklärt Scholle. Die zwölfmaligen Treffen auf dem Schießstand und die Fortschritte sollen den Teilnehmern Sicherheit und Selbstbewusstsein zugleich geben. Wie der Geschäftsführer der Kreisjägerschaft, Martin Sievers sagt, sei die Teilnahme an den samstäglichen Übungsterminen keine ausdrückliche Verpflichtung.  „Aber es sollte sie sich jeder zur Pflicht machen“, so Sievers. Schließlich seien in der Prüfung gewisse Standards zu erfüllen, wenn man sie bestehen wolle. Aber auch danach plädiert der Kreisgeschäftsführer für ein regelmäßiges Schießtraining, um die Zielgenauigkeit und Treffsicherheit beizubehalten. Schließlich sei es wichtig, dass Tier mit einem guten und sicheren Schuss zu erlegen und es nicht leiden zu lassen. Wie Sievers weiter berichtet, wird von den Jungjägern in spe aber nicht nur die Schießfertigkeit geübt. Ein zentraler Punkt des Lehrganges sei auch die richtige Waffenhandhabung. Hierin  werden die Lehrgangsteilnehmer ebenfalls samstags – entweder vor oder nach dem Schießen auf dem Butterpatt, im Grünen Zentrum geschult. „Hier lernen die Lehrgangsteilnehmer unter anderem, wie man mit der Waffe umgeht, wie man sie führt, lädt, reinigt und zerlegt“, so Sievers. Fast alle Lehrgangsteilnehmer, wie Stefan Arden, gehen tagsüber einem Beruf nach. Abends und am Wochenende heißt es dann  büffeln für den Jagdschein. Der junge Mann weiß: Diesen gibt es nicht umsonst. „Man muss sich schon viel Zeit nehmen und man muss das wollen“, sagt Arden, der nicht nur den laufenden Keiler, sondern auch sein Ziel, den Jagdschein in den Händen zu halten, fest im Blick hat. Bis zum 28. April wird er sich noch in Geduld üben müssen. Dann heißt es bei der Abschlussprüfung Farbe zu bekennen.