Der Natur auf der Spur

Die Waldschule der Kreisjägerschaft hat schon in vielen Schulen und Kindergärten Station gemacht. Zum ersten Mal aber ist aus einem dieser Besuche nun ein längerfristiges Projekt in Form einer Schul-AG entstanden. Seit September führt Kreisgeschäftsführer Martin Sievers an der Gesamtschule Ennigerloh-Neubeckum einmal wöchentlich die AG „Natur auf der Spur“ für Sechstklässler durch.

Waldschul AG 0296

Freuen sich über den Erfolg des Projektes: (v. l.) Günther Hans, Schulleiterin Ellen Greiwe, Abteilungsleiterin Elfriede Koenen-Sliwka und Martin Sievers, Kursleiter und Geschäftsführer der Kreisjägerschaft.

 

Es ist Montagnachmittag, kurz nach 14 Uhr. In Raum 212, im Obergeschoss der Ennigerloher Gesamtschule, arbeiten zwölf Kinder hoch konzentriert an ihren Baumporträts. Mit Hilfe von Fachliteratur und Kursleiter Martin Sievers komplettiert die elfjährige Kerstin mit Eifer ihren Steckbrief, den sie über die Buche erstellt. Darin führt sie die Besonderheiten des Baumes auf. Sie erklärt, wie die Rinde aussieht und wie sie sich anfühlt, sie beschreibt die Krone und die Früchte des Baumes. Neben dem Text hat sie sorgfältig ein paar Buchenblätter aufgeklebt. Diese hatte sie zuvor während einer Waldbegehung mit der AG im Spätsommer gesammelt und gepresst.

Zum ersten Mal überhaupt führt die Kreisjägerschaft Warendorf eine Natur-AG mit einer Schule durch. Ein Jahr lang werden zwölf Sechstklässler der Gesamtschule Ennigerloh-Neubeckum in die Geheimnisse von Wild, Flur und Natur eingeweiht.

Die elfjährige Kerstin ist eine von zwölf Teilnehmern, die im Rahmen der Neigungsdifferenzierung der Schule die sogenannte „Natur“-AG gewählt hat. „Ich interessiere mich sehr für die Natur und wollte gern mehr darüber erfahren“, begründet sie ihre Teilnahme. Die Motivation von Max ist ähnlich. Er ist gerne  draußen, und Doreens Lieblingsthema sind die Waldtiere. „Ich hatte wegen der Waldschule Kontakt zur Kreisjägerschaft aufgenommen. Im Gespräch mit Herrn Sievers entwickelte sich dann die Idee, hier mehr daraus zu machen“, erläutert Elfriede Koenen-Sliwka die Entstehungsgeschichte. Die Abteilungsleiterin der Jahrgangsstufen fünf bis sieben traf dann mit diesem Wunsch bei Schulleiterin Ellen Greiwe auf offene Ohren. Schnell waren sich die beiden einig, dass sie den Kindern bei diesem einmaligen Angebot gern tiefere Einblicke und Einsichten in die Natur gewähren wollten. Daher wurde die Dauer der AG nicht wie bei vielen anderen auf ein halbes, sondern gleich auf ein Jahr festgelegt. Martin Sievers weiß diesen zeitlichen Luxus sehr zu schätzen. „Das Schöne ist, dass wir den Naturzyklus durch alle Jahreszeiten hindurch begleiten können. Wir haben die Möglichkeit, alles, was sich im Jahresverlauf in der Natur abspielt, zu besprechen und zu erarbeiten“, so der Kursleiter. Wie bereits erwähnt, beschäftigen sich die Schüler derzeit mit den sogenannten Baumporträts. „Wenn sie fertig sind, werden die Steckbriefe auf einem jeweiligen Rindenstück in der Schule ausgestellt, damit auch alle anderen Schülerinnen und Schüler wissen, von welchen Bäumen sie hier umgeben sind“, erklärt Sievers Ziel dieser Übung. Natürlich hat er mit den Kindern auch schon die  zahlreichen Exponate der Waldschule besprochen und vorgestellt. Die AG-Teilnehmer wissen jetzt, dass nicht nur Hund und Katze in der Nähe der Menschen leben, auch Marder, Eichhörnchen, Waschbär, Fuchs und Bachstelze haben erkannt, dass sie in der Nähe von Menschen gut über die Runden kommen. Der Geschäftsführer der Kreisjägerschaft hat die Schülerinnen und Schüler auch über die Neubürger in unseren Breiten, wie Bisam, Nutria, Silberreiher und Gänse unterrichtet. Im Frühjahr wird die Zwölfer-Gruppe zudem acht Außentermine in der stationären Waldschule der Heinz-Reckendrees-Stiftung in Ennigerloh wahrnehmen. Mit Schilflabyrinth, Streuobstwiese und Mischwaldbesatz herrschen hier ideale Bedingungen, um den Sechstklässlern die Wechselbeziehungen von Natur und Tier aufzuzeigen. Der Heinz-Reckendrees Stiftung ist es auch zu verdanken, dass diese Natur-AG zustande gekommen ist, denn sie finanziert das Projekt. „Die Arbeitsgemeinschaft stimmt absolut mit dem Stiftungsziel, Kindern und Jugendlichen die Natur näher zu bringen, überein“, sagt der Geschäftsführer der Heinz-Reckendrees-Stiftung, Günther Hans. Er freut sich ebenso wie die Schulleitung über die Begeisterung, mit der die AG-Teilnehmer bei der Sache sind. „Die Kinder, die hier mitmachen, haben den Kurs völlig zurecht gewählt“, konstatiert Sievers. „Sie machen aktiv mit und man merkt ihnen an, dass sie Spaß am Thema „Natur“ haben. „Und wenn Schule und Spaß zusammen kommen, kann das nicht das Schlechteste sein,“ folgert Sievers. Dem können alle Beteiligten nur zustimmen.