Taubenjagd

05.02.2023

Kreis Warendorf / Sassenberg (dor). An zwei Wochenenden im Jahr ruft die Kreisjägerschaft Warendorf zu kreisweiten revierübergreifenden Taubenjagden auf. So soll die Überpopulation der Vögel eingedämmt werden. Denn diese hat empfindliche Auswirkungen auf die Landwirtschaft: Tauben fallen in Scharen über frisch eingesäte Felder her und verursachen empfindliche Ernteeinbußen.

Als Christoph Hüser und Mike Atig  am Samstagmorgen das kleine Wäldchen in der Nähe der ehemals Roten Mühle in Gröblingen anfuhren, haben sie nach ihrer Einschätzung gut 30 Tauben aus den Bäumen aufgescheucht. „Die kommen wieder“, zeigte sich Hüser anfänglich überzeugt. Doch sein Optimismus sollte sich nicht bewahrheiten.

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Mike Atig und Christoph Hüser nahmen am Samstag, dem ersten Tag der kreisweiten Taubenjagd teil. 

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Gute Tarnung ist alles: Hinter diesem Tarnnetz sitzen die beiden Jäger in Wartehaltung.

Nach drei Stunden Jagdzeit hatten die beiden Jäger nur eine einzige Taube geschossen. Jungjäger Max Wittig, den der Sassenberger Hegeringleiter Bernhard Knollmeier ins Revier am Butterpatt begleitet hatte, hatte am Morgen auch nicht mehr Jagdglück zu verzeichnen. „Das hat aber überhaupt nichts zu sagen,“ erklärte Knollmeier. „Was zählt, ist einzig, was nächsten Samstag als Gesamtstrecke vor uns liegt“, so der Hegeringleiter.  

„Die Jagd ist wie ein Glücksspiel. Mal gewinnt man, mal verliert man“, nimmt Mike Atik die eher bescheidene Ausbeute am Samstagmorgen sportlich. Wie er sagt, sei die Jagd ja vielmehr als nur Schießen und Tiere töten. Die Freude an der Natur, an der klaren Luft, an dem Anblick des vielen Rehwilds, dass die beiden von ihrem Ausguck beobachten konnten, das alles hätte bei ihm schon Glücksgefühle ausgelöst. „Wenn man dann sieht, dass der andere auch mal daneben schießt, hat man auch seinen Spaß“, sagte Atig grinsend in Richtung seines Jagdkollegen Hüser. Dieser zeigte sich selbst überrascht, dass sich so wenig Tauben am Himmel gezeigt hatten.  „Das Wetter ist einfach zu gut,“ meinte er. Und die wenigen Tauben, derer sie angesichtig wurden, seien auch zu hoch geflogen. Als ideale Höhe gab Hüser 25 bis 30 Meter an. Am Samstagmorgen wären die Tauben fast nur als schwarze Punkte am Himmel erkennbar gewesen.  „Da hat man dann keine Chance und kann sich die Munition sparen“, so Hüser.

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Da Tauben sehr gut sehen und jede kleinste Bewegung oder Veränderung ihrer Umgebung wahrnehmen können, nennt Christoph Hüser auch eine Tarnmaske sein eigen.

Der Standort, den sich die beiden passionierten Jäger am Samstag ausgesucht hatten, war nicht etwa zufällig gewählt. „Wir gucken ein paar Tage vorher schon, wo die Tauben fliegen und wo ein geeigneter Jagdplatz wäre“, erklärte Atig. Den glaubten sie auch in dem von Ackerflächen umgebenen Wäldchen gefunden zu haben. Neben der richtigen Standortwahl sind bei der Taubenjagd aber noch weitere Punkte zu beachten, wie etwa die richtige Jagdzeit, die richtige Kleidung und die Tarnung. Hüser und Atig hatten sich zum einen wetterfest angezogen, sie trugen dicke Allwetterjacken und Mützen in Tarnfarben, zum anderen hatten sie auch ihren Platz gut getarnt: Um ihre nebeneinanderstehenden Klappstühle hatten sie einen Camouflage-Schirm vor sich aufgebaut. „Tauben sehen alles, es heißt, sie haben auf jeder Schwinge ein Auge,“ erklärte Atig. Aus diesem Grund hat Jagdkollege Christoph Hüser sogar eine Gesichtsmaske mitgebracht. „Da ich etwas höher sitze, guckt mein Kopf über das Netz heraus, und das helle Gesicht würden Tauben sofort registrieren“, erklärt der Ennigerloher, der wie Atig einen Begehungsschein für das Revier Sassenberg I besitzt. Hüser hat des Weiteren ein Lockbild aufgebaut. Das heißt, er hat an die 20 Taubenattrappen in die Erde des vor ihnen liegenden Ackers gesteckt. „Mit den Taubenimitationen soll den Tauben suggeriert werden, dass es sicher sei, hier nach Futter zu suchen“, erklärt er. Doch auch diese Maßnahme hat am Ende nicht den gewünschten Erfolg gebracht. „Vielleicht versuchen wir heute am Spätnachmittag erneut unser Glück,“ zeigten sich die Jäger entspannt. Sie hatten zu diesem Zeitpunkt schon längst nicht mehr die Tauben, sondern vielmehr das gemeinsame Frühstück, dass sie sich nach dem Abbau der Tarnung gönnen wollten, im Blick. Am nächsten Samstag, dem zweiten Taubentag, wollen sie auf jeden Fall noch einmal mitjagen und sich am Abend nach dem Strecke legen auf dem Campingplatz Eichenhof Taubenbrust und Taubensuppe schmecken lassen.


Die Taubenattrappen auf dem Feld sollen die darüber fliegenden Tauben anlocken und ihnen Sicherheit suggerieren.


Nach drei Stunden haben Christoph Hüser und Mike Atig ihren Platz wieder abgebaut.


In diesem Wäldchen haben Mike Atik und Christoph Hüser bei der kreisweiten Taubenjagd am Samstag Stellung bezogen.